Ein Mietfahrzeug mit Alufelgen zu fahren bedeutet, ein finanzielles Risiko einzugehen, das häufig unterschätzt wird: Ein Kratzer am Felgenrand kann bei der Rückgabe zwischen 80 und 250 EUR pro Rad kosten.
Sie geben Ihr Mietfahrzeug zurück, der Mitarbeiter geht einmal um das Fahrzeug herum, bleibt vor den Felgen stehen – und zückt seine Preisliste. Diese Szene wiederholt sich täglich in den Filialen. Dennoch bleibt die Grenze zwischen dem, was der Vermieter rechtmäßig berechnen darf, und dem, was Sie anfechten können, für die meisten Fahrer unklar. Hier erfahren Sie, was Sie wissen sollten, bevor Sie den Rückgabeschein unterschreiben.
Was der Mietvertrag wirklich über Felgen aussagt
Mietverträge unterscheiden nahezu durchgängig zwischen der Karosserie (abgedeckt durch die enthaltene oder optionale CDW-Versicherung) und Reifen, Felgen und Verglasung, die eine eigene Kategorie bilden. Diese Elemente sind in der Regel vom Standard-Selbstbehalt ausgeschlossen – selbst wenn Sie den Zusatzschutz abgeschlossen haben.
Konkret bedeutet das:
- Ein Kratzer an einer Aluminiumfelge wird als spezifischer Schaden eingestuft und kann außerhalb des Selbstbehalts in Rechnung gestellt werden.
- Einige Verträge sehen einen separaten Selbstbehalt für Felgenschäden von 150 bis 400 EUR vor.
- Ohne diesen Selbstbehalt können Ihnen die gesamten Reparaturkosten in Rechnung gestellt werden.
- Der Zustand der Felgen bei Mietbeginn sollte im Übergabeprotokoll festgehalten sein – in der Praxis wird dies selten präzise dokumentiert.
Das Ergebnis: Der Mieter zahlt häufig mangels gegenteiliger Beweise bei der Fahrzeugübernahme.
Was kostet eine zerkratzte Felge beim Vermieter wirklich?
Die von Mietwagengesellschaften angesetzten Preise entsprechen nicht immer den marktüblichen Tarifen. Sie beinhalten einen logistischen und administrativen Aufschlag, der die Rechnung mitunter verdoppeln kann.
| Felgentyp | Reparatur durch freien Fachbetrieb | Vom Vermieter berechneter Betrag |
|---|---|---|
| Standard-Alufelge (16–17 Zoll) | 80 – 120 EUR | 150 – 220 EUR |
| Alufelge in großer Dimension (18–19 Zoll) | 130 – 180 EUR | 200 – 300 EUR |
| Vollständiger Felgenaustausch | 200 – 400 EUR | 350 – 600 EUR |
Diese Beträge gelten pro Rad. Ein alltäglicher Bordsteinschaden, der zwei Felgen betrifft, kann daher eine Rechnung von 400 bis 600 EUR verursachen – ohne dass Ihre private Kfz-Versicherung automatisch einspringt.
Ihre Möglichkeiten: Was Sie anfechten können und was nicht
Sie können eine Abrechnung anfechten, wenn:
- Das Übergabeprotokoll enthält keinen Felgenzustand mit datiertem Foto.
- Der berechnete Betrag übersteigt die im Vertrag beigefügte Preisliste (sofern ein solches Dokument vorhanden ist).
- Der Schaden war bereits vorhanden und sichtbar – wurde jedoch im Übergabeprotokoll nicht vermerkt.
In der Regel können Sie keine Einwände erheben, wenn:
- Das Übergabeprotokoll bei Abholung ist einwandfrei (Felgen „in gutem Zustand"), und bei Rückgabe sind Kratzer festzustellen.
- Sie haben bei der Fahrzeugübernahme vorbehaltlos unterschrieben.
- Ihr Vertrag schließt Felgen ausdrücklich von jeglicher Deckung aus.
Die goldene Regel: Fotografieren Sie jede Felge aus mehreren Winkeln, versehen Sie die Fotos mit einem Datum und vermerken Sie alle vorhandenen Schäden im Übergabeprotokoll – auch wenn der Mitarbeiter diese als unerheblich abtut.
Felgenschutz als präventive Lösung für Ihr eigenes Fahrzeug
Dieser Artikel befasst sich mit der Fahrzeugmiete, doch dieselbe finanzielle Logik gilt auch für Ihr eigenes Fahrzeug. Ein AlloyGator Felgenschutz-Set mit vier Stück stellt eine einmalige Investition dar, die Kontakte mit Bordsteinen abfängt, bevor diese das Aluminium erreichen. Die Montage dauert etwa eine Stunde bei einem zertifizierten Montagepartner und kostet rund 99 EUR. Bei einem Audi oder einer BMW mit 18 oder 19 Zoll Bereifung übersteigen die Kosten einer einzigen Felgenaufbereitung bereits den Gesamtpreis des Sets. Entdecken Sie auch das Montagezubehör und die Werkzeuge, um Ihr Kit zu vervollständigen.
FAQ
Übernimmt meine Kfz-Versicherung Kratzer an Felgen eines Mietfahrzeugs?
In der Regel nicht automatisch. Ihre private Kfz-Versicherung deckt Schäden ab, die Sie Dritten zufügen – nicht jedoch Schäden an einem gemieteten Fahrzeug. Manche Affinitätsversicherungen (Premium-Kreditkarten) übernehmen Rückgabekosten bei Mietfahrzeugen, doch Felgenschäden sind häufig ausgeschlossen – lesen Sie die besonderen Bedingungen sorgfältig, bevor Sie abreisen.
Kann der Vermieter für eine zerkratzte Felge einen beliebigen Betrag in Rechnung stellen?
Theoretisch nein: Die Abrechnung muss dem tatsächlichen und nachgewiesenen Schaden entsprechen. In der Praxis sind die Beträge ohne eine vertraglich beigefügte Preisliste im Nachhinein schwer anzufechten. Den Kostenvoranschlag und die tatsächliche Reparaturrechnung einzufordern bleibt Ihr stärkstes Mittel im Streitfall.
Lohnt sich der Reifen- und Felgenschutz des Vermieters wirklich?
Die an der Vermietungstheke angebotene Option „Reifen- und Felgenschutz" (häufig 5 bis 15 EUR pro Tag) kann sich bei einer Kurzzeitmiete in dicht besiedelten städtischen Gebieten lohnen. Bei einer Langzeitmiete oder außerhalb von Städten ist das Kosten-Risiko-Verhältnis weniger eindeutig. Lesen Sie die Bedingungen sorgfältig: Manche Optionen decken nur Reifenpannen ab, nicht jedoch Felgenkratzer.